Das Fach Statistik, das Bestandteil vieler Studiengänge ist, ist nicht nur da um Studenten zu quälen. Es ist ein richtiges Fach, in dem man - an verschiedenen Universitäten - auch Abschlüsse ablegen kann. An der LMU München zum Beispiel, aber auch hier an meiner Universität (Trier) in Verbindung mit Volkswirtschaftslehre. Dasselbe gilt für Empirie/Sozialforschung. Einen Abschluss in Sozialforschung kann man an einigen deutschen Universitäten zum Beispiel in Verbindung mit Soziologie bekommen.
Das Einsatzfeld derjenigen, die Absolventen dieser Studiengänge sind, ist recht groß. Neben einer akademischen Karriere, gibt es zum Beispiel die Möglichkeit bei Umfrageinstituten zu arbeiten. Infratest dimap oder Forsa zum Beispiel.
Während unter Physikern wohl die Theoretische Physik oder unter Ingenieuren die Raumfahrt die Königsdisziplin ist, ist es unter Sozialforschern und Statistikern wohl die repräsentative Umfrage. Was bedeutet es, das eine Umfrage repräsentativ ist?
"Als Repräsentativität versteht man in der Empirie die Eigenschaft von Erhebungen, dass diese Aussagen über eine Grundgesamtheit zulassen.[...]" (Wikipedia 2011)
Noch simpler: Nur, wenn eine Umfrage repräsentativ ist, sagt sie etwas aus. Natürlich gilt auch der Umkehrschluss: Ist eine Umfrage nicht repräsentativ, sagt sie nichts aus. Doch wie wird eine Umfrage eigentlich repräsentativ? Man entschuldige mir die Nutzung von Wikipedia, doch ich bin der Meinung, es ist dort verständlicher erklärt, als in einem Empirie-Lehrbuch.
Kurz und gut würde ich einmal behaupten: Eine repräsentative Umfrage lebt nicht unbedingt von extrem vielen Befragungen, sie lebt vor allem von Fragen nach: Alter, Geschlecht, Berufsgruppe usw. Denn nur wenn man letztere Fragen stellt, kann man diese in ein Verhältnis setzen. In das Verhältnis, in dem sie auch in der Grundgesamtheit stehen. Und dann sagt auch die Anzahl der Befragten eher wenig aus (das "Gesetz der großen Zahlen" gilt natürlich!). Bei der Sonntagsfrage ("Welche Partei würden Sie wählen, wenn am Sonntag Wahlen wären?"), werden gerade einmal 1000-2500 Menschen befragt. Dennoch sind diese Umfragen - im Vergleich zum Wahlergebnis - doch recht treffend."[...]Ein wichtiges Kennzeichen von repräsentativen Umfragen ist die Auswahl einer repräsentativen Untermenge (Stichprobe) der zu untersuchenden Bevölkerungsgruppe (der sog. Grundgesamtheit). Diese Untermenge sollte eine gleiche Verteilung der befragten "Repräsentanten" aufweisen (z.B. Befragung verschiedener Altersklassen dieser Bevölkerungsgruppe und gleiche Verteilung der Geschlechter ...). Damit erspart man sich die Befragung aller Personen dieser Bevölkerungsgruppe. Die Größe der Untermenge korreliert mit der Genauigkeit des Ergebnisses. Je größer die Untermenge ist, desto geringer ist die zu erwartende Abweichung zur Realität. Dieser Zusammenhang ist allerdings nur dann gegeben, wenn die der Umfrage zugrundeliegende Stichprobe eine Repräsentativität überhaupt zulässt.[...]" (Wikipedia 2011)
Doch was schon lange für die Marktforschung und jede andere "Otto-Normal"-Umfrage gilt, gilt offensichtlich nicht für einige Medien.
Online-Umfragen aller Art gibt es schon seit Ewigkeiten. Und auch die verschiedenen Nachrichtenplattformen erfreuen sich dieser immer mehr. Spiegel Online erreicht dabei Teilnahmequoten von mehreren 10.000. In meiner Heimat bezieht sich die Saarbrücker Zeitung ständig auf die "SZ-Online-Umfrage von gestern", die Teilnehmerzahl ist hier nicht so genauso groß, aber das Ergebnis genauso unrepräsentativ. Und da sind Punkte wie Fälschungssicherheit oder Leute, die mehrfach abstimmen, eher unerheblich; zumindest verglichen mit allen anderen Grundregeln der Sozialforschung, die verletzt werden. Man hat keine Informationen, über die Personen, die abstimmen. Somit fehlen Informationen über Kohorten bzw. Personengruppen, die zwingend notwendig sind um eine Umfrage repräsentativ zu erheben. Ohne Informationen zur Personengruppe, kann man keinen Schluss auf die Bevölkerung ziehen. Es fehlen die Fragen nach Alter, Geschlecht Berufsgruppe usw.
In der Regel weiß man nur eine Sache ganz genau: Die Teilnehmer der Umfrage benutzen zurzeit der Teilnahme die Webseite, die diese Umfrage ausrichtet. Und da die meisten Medien irgendeine politische Ausrichtung haben, ist es dann übrigens kaum verwunderlich, dass Online-Umfragen, von Webseiten, die irgendwie eingestellt sind, oft genau diese eigene Einstellung als so genannte "Meinung der Bevölkerung" zum Ergebnis haben. Repräsentativer wird es dadurch nicht.
Man könnte behaupten: "Ja, aber wir wollen ja nur mit einfachsten Mitteln, einmal wissen, was in der Bevölkerung los ist, wie die Bevölkerung denkt."
Liebe Nachrichtenportale, Zeitungen und Fernsehsender, Ihr könnt gerne eine solche Online-Umfrage starten, aber das Ergebnis sagt wirklich nichts, aber auch nicht das Geringste, über die Meinungen und Gedanken der Deutschen aus.
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