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Dienstag, 24. Januar 2012

MdSTUPA Teil I: Gendern

Eine offizielle Bezeichnung für ein Mitglied des Studierendenparlamentes gibt es wohl nicht. Zum Glück. Sonst könnte jeder, der ein - solch unglaublich hochrangiges - Mandat hat, damit so toll angeben. Mich inbegriffen. Allein der Gedanke daran ist mir schon ziemlich peinlich. Wie dem auch sei.
Meine Eindrücke aus der ersten StuPa-Sitzung waren viel zu vielfältig, um sie in einem Blogpost unter zu bekommen. Deshalb möchte ich eine kleine Reihe starten unter dem Titel: "MdSTUPA". Heute: Teil I: Gendern. Den Teil II gibt es dann nächste Woche oder so.
Ich wurde schon vorher von meinen RCDS-Kollegen vor dem Gendern gewarnt - die übertreiben es dort angeblich ein bisschen. Ich wurde gebeten, ich solle bitte keine Diskussion über Gendering anfangen. Gegendert wird angeblich, weil sich die Frau im afrikanischen Harem darüber freuen würde, direkt angesprochen zu werden. Wer sagt, dass ich die Frauen auslasse, wenn ich "liebe Kollegen" oder "liebe Freunde" sage? Naja however. Das schriftliche Gendering mit "Innen" (wie in "GrillmeisterInnen", "SalzstreuerInnen" usw.) ist ja weitläufig bekannt. Ich war bisher nie so sonderlich davon überzeugt, weil ich es für nicht notwendig halte und man es nicht so aussprechen kann, wie man es liest - ich werde später feststellen, man kann es sehr wohl aussprechen. Neuland ist für mich das schriftliche Gendern mit Unterstrich ("Pudelkämmer_innen") oder Stern ("Rostwurstbudeninhaber*innen"). Im Endeffekt gibt es bei diesen zwar keinen Unterschied zu "Innen", aber es soll wohl unheimlich kreativ wirken.
Das verbale Gendern mit "und" mache ich persönlich auch relativ oft - es gehört sich oft einmal so. "Freundinnen und Freunde", "Damen und Herren" sind ja eigentlich ein immerwährender Standard. Aber was macht man mündlich aus dem "Innen"? Ich muss zugeben: Als ich die Version der Präsidentin des Studierendenparlamentes gehört hab, bekam ich einen kleinen innerlichen Lachanfall, weil ich dachte sie hätte sich versprochen. Sie sprach "Stuparier Innen" aus, als wären es zwei Wörter. Wenige Augenblicke danach wurde ich eines besseren belehrt. Es ist scheinbar so Brauch. Arme deutsche Sprache.
Es gibt neben der schönen Form (Parlamentarier_innen = "Parlamentarierinnen und Parlamentarier") noch die Möglichkeit einfach "Großmolkereibetreiber*innen" von links nach rechts durchzulesen - also die weibliche Form als Verallgemeinerung nutzen. Als ich das zum ersten Mal hörte, wollte ich mich ursprünglich beschweren, weil ich mich als Mann benachteiligt fühle. Tue ich auch - zumindest in diesem StuPa.
Die letzte Möglichkeit ist einfach die beiden Begriffe nacheinander zu nennen. Im Prinzip so, wie von einem Querstrich ("/") getrennt.
Wann und wo gendert man eigentlich? Ich persönlich würde sagen gar nicht. Wenn ich eine Mehrzahl anspreche, meine ich immer beide Geschlechter. Wer sich benachteiligt fühlt, hat Pech gehabt. Aber manche Leute wollen eben Gendern, dann sollen sie das auch tun, aber bitte dann, wenn es auch Sinn macht. Berühmt sind ja schon die "Mitgliederinnen und Mitglieder". Ich muss schon zugeben, das Wort "Mitglieder" bietet sich sprachlich sehr schön an zum Gendern. Da es aber natürlich ein Neutrum ist, ist allein jeder Gender-Mainstream-Gedanke daran völlig überflüssig. Auf der Tagesordnung zur konstituierenden StuPa-Sitzung stand unter TOP 6: "Entlastung von Koordinierendem Mitglied und Finanzreferentin". Beim Koordinierten Mitglied muss ich sagen: Respekt. Hier wurde richtig gegendert. Es gibt keine weibliche Form von "Mitglied" (s.o.). Beim Finanzreferent muss ich kritisieren, dass - in der vorliegenden Fassung der Einladung - zwischen der männlichen und weiblichen Form nicht richtig unterschieden werden kann, aber ok. Bei der Entlastung eines Amtsträgers geht es darum zu sagen, ob jemand seine Arbeit - in erster Linie in Bezug auf Buchführung - gut gemacht hat und seinen Posten verlassen und die Verantwortung ablegen darf. Nun ging es hier ganz speziell um die Personen: "Koordinierendes Mitglied" und "Finanzreferentin"[sic!]. Ich hätte hier nicht gegendert, zum einen weil ich - siehe oben - davon sowieso nichts halte, zum anderen, weil es hier noch überflüssiger als sowieso schon. Sowohl das "KoMi" als auch der Finanzreferent waren (bis zu ihrer Entlastung zumindest ihrem Namen und ihrer offensichtlichen Erscheinung nach) nämlich männlich. Da sich - ausgenommen dieser beiden - sowieso niemand angesprochen fühlen soll, weil einfach niemand außer diesen beiden betroffen ist und die beiden männlich sind, warum sollte man dann auf die Belange von Frauen eingehen, die gar nicht betroffen sind, und sie ansprechen?
Auf der einen Seite ist das Gendern ja ganz amüsant. Zumindest wenn jemand mit aller Kraft versucht eine unvorhandene oder kreative weibliche Form zu kreieren. Amüsant sind auch die Zeitpunkte an denen einfach mal prophylaktisch gegendert wird, ohne irgendeinen logischen Hintergrund. Auf der anderen Seite geht es einem - zumindest als Mann, ich bin überzeugt auch als Frau - irgendwann auf den Keks. Wer verbal mit "Occupyer Innen" gendert, oder schriftlich mit "Aktionärsversammlungsleiter*innen", der lässt auch noch die deutsche Sprache ganz schön leiden. Man kann es auch einfach lassen.

Foto: (c) Rainer Sturm/PIXELIO

2 Kommentare:

  1. Erinnert mich spontan an einen Ausschnitt aus einem Werbeprospekt vom Bund:
    "Rettungshundeführer/Rettungshundeführerinnen und ihre Rettungshunde/Rettungshündinnen"

    Nicht wörtlich so, aber das stand da wirklich drin.

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  2. Frei nach Loriot: "Ach so ein Hund ist ja auch nur ein Mensch"

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